so urban! Kunst und Stadtverortungen

TIMETABLE

21.9. – 28.9.2018 Tangency 2018 – Stadtverortungen - Kunstaktionen am Neumarkt
28.9. – 17.11.2018 so urban! Kunst und Stadtverortungen - Ausstellung im Kunstraum hase29

  • Eröffnung: Freitag, 21.09.2018 um 17 Uhr | Infostand, Neumarkt, Ecke Große Hamkenstraße unter den Platanen.
  • KünstlerInnen in Aktion täglich zwischen 10 – 18 Uhr
  • Stella Geppert: Performance ("Augenblicksverknüpfung" mit Kirstin Flüssmeyer, Lukas Geschwind, Michelle Lui, Birte Opitz und Agnes Nguyen) Fr 21.9., 17-18 Uhr, Sa 22.9., 10-12 / 17-18 Uhr, So 23.9., 10-12 Uhr. Anschließend Künstlerinnengespräch
  • Jacob&Manila: Sa 22.9., 10-18 Uhr
  • Diana Sarinni: Sa 22.9., 10-13:30 Uhr, Mo 24.9., 10-13:30 Uhr | Gebäude Neumarkt 13, grünes Kachelhaus
  • KuratorInnen im Gespräch mit KünstlerInnen und Publikum, Mittwoch, 26.9. um 17 Uhr und Donnerstag, 27.9. um 17 Uhr, Treffpunkt jeweils Standort Bushaltestelle unter den Platanen
  • Abschluss: Freitag, 28.09.2018 um 17 Uhr | Neumark.
    Anschließend Umzug zur hase29- Gesellschaft für zeitgenössische Kunst, Hasestraße 29/30, Osnabrück.
    19 Uhr Eröffnung der Ausstellung „so urban!“. Ab 19.30 Uhr mit Buffet und Musik von DJ An:Ja
  • Finissage: Samstag, 17. 11.2018 zwischen 12 und 15 Uhr erstellen Katerina Kuznetcowa und Alexander Edisherov aus ihrem Geflecht "Reassemble" eine Edition. Hierbei kann man den KünstlerInnen über die Schulter schauen und natürlich auch ein Stück erwerben.

Siehe auch http://tangency.de


KünstlerInnen: Clemens Behr, Stella Geppert, Jakob&Manila, Katerina Kuznetcowa & Alexander Edisherov, Diana Sirianni, Elisabeth Windisch.


Die eingeladenen Künstlerinnen und Künstler haben den Osnabrücker Neumarkt im Zeitraum vom 21.9. bis 28.9.2018 als Experimentierfeld genutzt. Ein Stadtraum als Baustelle – die Kunstschaffenden erkundeten den Ort mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln und luden Passanten und AnwohnerInnen dazu ein, ihre gewohnten Bewegungs- und Blickrichtungen einmal zu unterbrechen und neu auszurichten.

Wie können Räume, Nischen, Eingänge, Sichtachsen, Materialität und Farbigkeit auf neue Weise sichtbar gemacht werden? Wie erscheinen Dinge, die im alltäglichen Umgang häufig übersehen werden auf neue und interessante Weise? Welche Eingriffe und Intervention können die Wahrnehmung eines gewohnten Umfelds verändern?  Mit ihren Werken luden insgesamt 8 Künstlerinnen und Künstler dazu ein, an ungewöhnlichen Aktionen teilzunehmen und dabei neue Aufmerksamkeiten zu erzeugen. Was gefällt uns an Urbanität, was empfinden wir als störend, gefährdend, kritisch?

Während die Aktionen und künstlerischen Interventionen am Neumarkt/ bereits nach kurzer Zeit wieder verschwanden, konnten die Werke der beteiligten Künstlerinnen und Künstler in hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst in der Hasestraße 29/30 bis zum 17. November 2018 weiterhin erkundet werden. Die Ausstellung „so urban!“ bot die Möglichkeit, Fragen zur Urbanität aus unterschiedlichen Perspektiven neu zu reflektieren.

Kuratiert von Dirk Manzke (Idee), Elisabeth Lumme, Tim Roßberg. Eine Kooperation mit TOP.OS Verein für Neue Kunst e.V.

Artists: Clemens Behr, Stella Geppert, Jakob&Manila, Katerina Kuznetcowa & Alexander Edisherov, Diana Sirianni, Elisabeth Windisch.

The invited artists have used the Osnabrück Neumarkt as an experimental field between 21.9. and 28.9.2018. An urban space as a building site - the artists explored the site with various artistic means and invited passers-by and residents to interrupt and reorient their usual directions of movement and gaze.

How can spaces, niches, entrances, visual axes, materiality and colourfulness be made visible in a new way? How do things that are often overlooked in everyday life appear in new and interesting ways? Which interventions and interventions can change the perception of a familiar environment?  With their works, a total of 8 artists invited us to take part in unusual actions and thereby generate new attention. What do we like about urbanity, what do we find disturbing, dangerous, critical?

While the actions and artistic interventions at Neumarkt/ disappeared again after a short time, the works of the participating artists in hase29 - Gesellschaft für zeitgenössische Kunst at Hasestraße 29/30 continued to be explored until 17 November 2018. The exhibition "so urban! offered the opportunity to reflect on questions of urbanity from different perspectives.

Curated by Dirk Manzke (Idea), Elisabeth Lumme, Tim Roßberg

Cooperation with TOP.OS Verein für Neue Kunst e.V.


© Foto Kerstin Hehmann | hase29
© Foto Kerstin Hehmann | hase29

Clemens Behr:  Mittlere Katastrophe
Aktionszeitraum: laufend

Eine raumgreifende Installation die gegebene Materialität und Architektur aufgreift und versucht zu kopieren, jedoch auf dekonstruktivistische und konstruktivistische Art wiedergibt. Städtische Möbel/Architektur sollen gewissermaßen dargestellt werden wie nach einem konstruktivistischen Verkehrsunfall. Eine alltägliche humoristische Katastrophe.

© Foto Kerstin Hehmann | hase29
© Foto Kerstin Hehmann | hase29

Stella Geppert: Augenblicksverknüpfung
Performance:
Fr 21.9., 17–18 Uhr
Sa 22.9., 10–12 Uhr und 17–18 Uhr
So 23.9., 10–12 Uhr anschließend Künstlerinnengespräch

Landvermesser und Landvermesserinnen, auch Geodäten genannt, stellen sich der Aufgabe, die Erdfigur in ihrer Größe und Form zu bestimmen. Stella Geppert nutzt am Neumarkt Osnabrück die Technik der Landvermessung um den Ort in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen.
Jeweils vier bis sechs Performerinnen und Performer loten die körperlich-räumlichen sowie kommunikativen Aspekte der Landvermessung aus. Wo liegen die Grenzen der Kommunikation? Wie wirken zwischenmenschliche Kontaktaufnahmen in der Nähe und in der Ferne? Wie lange dauert es, bis sich Blicke einander finden? Wie verhalten sich soziale Räume zum großen Ganzen – dem Erdkörper? Die Künstlerin untersucht in einer choreografischen Vermessungsperformance die emotionalen Zwischenräume zwischen entfernt liegenden menschlichen Messpunkten.

© Foto Kerstin Hehmann | hase29
© Foto Kerstin Hehmann | hase29

Jakob&Manila: Wonderful World
Aktionszeitraum: Samstag, 22.8. zwischen 10 und 18 Uhr

Jakob&Manila Passanten des Osnabrücker Neumarktes werden an einem „Infostand“ von dem Künstlerpaar Jakob&Manila eingeladen, rosarote Brillen aufzusetzen und die Umgebung zu erkunden. In einem anschließenden Interview werden die Beobachtungen festgehalten, die die Teilnehmenden etwa bei Spaziergang in der Umgebung gemacht haben. Welche unbekannten Eindrücken konnten sie sammeln? Wie wirkt sich die visuelle Veränderung auf die Wahrnehmung der Umgebung aus? Die Beteiligten werden im Anschluss an die Felderkundung gebeten zu beschreiben, was sie gesehen haben. Die gesammelten O-Töne dienen den Künstlern als Grundlage für eine Videoarbeit.

© Foto Kerstin Hehmann | hase29
© Foto Kerstin Hehmann | hase29

Katrina Kuznetcowa & Alexander Edisherov: Reassemble
Aktionszeitraum: laufend

Das Künstlerpaar flechtet mit farbigen Bändern ein geometrisches Muster in Absperrgitter, das die „verschlüsselte“ Problematik des Neumarktes andeutet: Zwei verschiedene Hälften, die durch zackig gehaltene Linien miteinander verwoben sind, werden zu einem kodierten Signalbild für den Neumarkt. An der Grenze zwischen Alt- und Neustadt entstanden, hat der dieser Ort im Zentrum bis heute seine Form als eine Trennlinie bewahrt. Das Flechtwerk in den Absperrgittern steht für einen funktionalen Wandel und für neue Bilder: Aus der Absperrung wird ein Informationsträger. Für das Projekt „Tangency 2018“ wird das Künstlerpaar an mehreren Absperrgittern am Neumarkt eine Woche lang weben. Am Ende werden die Flechtwerke in einer Prozession vom Neumarkt bis zum Kunstraum „hase29“ getragen, wo sie in der Ausstellung „so urban!“ zu besichtigen sind.

© Foto Kerstin Hehmann | hase29
© Foto Kerstin Hehmann | hase29

Diana Sirianni: Neumarkt
Aktionszeitraum: Sa 22.9., 10–13.30 Uhr, Mo 24.9., 10–13.30 Uhr

Fotografien von ausgewählten Bereichen einer Fassade werden von der Künstlerin durch digitale Manipulationen verfremdet. In Form großformatiger Abzüge werden diese Bildmotive an den entsprechenden Fassaden aufgetragen und sorgen so für einen irritierenden Effekt. Durch die augenscheinliche Verdoppelung von fotografischem Motiv und Fassade ergeben sich optische Verschiebungen, die das Auge beanspruchen und die zu genauem Hinsehen verleiten. Diana Sirianni schafft eine räumliche Fotocollage, die wie eine Bühne wirkt, auf der sie sich zusammen mit Passanten bewegt. An zwei Tagen kommt Diana Sirianni mit Passanten uns Gespräch und lädt sie ein, Teil ihrer künstlerischen Intervention zu werden.

© Foto Kerstin Hehmann | hase29
© Foto Kerstin Hehmann | hase29

Elisabeth Windisch: o.T. (Wandbild)
Aktionszeitraum: laufend

Der Neumarkt ist visuell geprägt von asphaltierter Fläche, Absperrung und permanent gewordenen temporären Leitsystemen. In dem durch Baustellen chaotisch anmutenden Stadtzentrum baut die Künstlerin über mehrere Tage mit Sicherheitsbaken eine Wand von ca. 3 m Höhe 9 m Länge. Die Ordnung und Farbigkeit der Elemente wirkt einerseits wie eine irritierende Barriere zwischen Fußgängerbereich und Verkehrsfläche andererseits erregt ein ungewöhnliches Muster die Aufmerksamkeit der Vorbeigehenden. Passanten sind eingeladen, einzelne Elemente umzubauen und so immer neue dreidimensionale Muster zu gestalten.


Gastvortrag : Elena Kaip

Mittwoch 17. Oktober 2018, um 18:00 Uhr

Elena Kaip thematisiert in Ihrem Vortrag aus soziologischer Perspektive das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Kunst.

 

Im Fokus Ihrer Auseinandersetzung steht die Frage nach der Rolle der Kunst im öffentlichem Raum am Beispiel von Tangency 2018 für die Gesellschaft.


Roland Nachtigäller, Direktor des Museums Marta Herford, Foto: Hans Schröder
Roland Nachtigäller, Direktor des Museums Marta Herford, Foto: Hans Schröder

„Kampfzone oder Konsensraum? Die Stadt als Kunstort“
Vortrag von Roland Nachtigäller, Direktor des Museums Marta Herford

Montag, 5. November 2018, um 19.30 Uhr

Der öffentliche Raum ist heiß umkämpft. Wem gehört er und was wird von ihm erwartet? Hier soll der Verkehr ebenso ungehindert fließen wie lebendiger Handel betrieben werden. Hier sollen Kinder spielen, Menschen ihre Freizeit verbringen und ein lebenswertes Umfeld entstehen. Aber auch Architektur, Kunst und Kultur behaupten hier ihre Bühnen. Doch was genau wird von der Kunst im öffentlichen Raum erwartet? Soll sie ihn bespaßen und dekorieren oder soll sie gesellschaftliche Fragen verhandeln? Soll sie verschönern oder stören?

 

Ausgehend von der Skulptur Melilla Mauerspringer, die der spanische Künstler Fernando Sánchez Castillo in diesem Sommer in Herford realisierte, widmet sich Roland Nachtigäller, Direktor des Museums Marta Herford, in seinem Impulsvortrag solchen Fragen für eine anschließende Diskussion. Gerade auch im Kontrast zu Projekten beispielsweise auf dem Neumarkt in Dresden wird das Spannungsfeld zwischen den verschiedenen Ansprüchen an den öffentlichen Raum greifbar. Dies kann auch zu einer Positionsbestimmung beitragen, die jede Stadtgemeinschaft immer wieder neu für sich aushandeln muss.