Be absolutley concrete. Welten zeichnen

 

 Zeichnen beinhaltet unter anderem eine allgemeine Aktivität, die von Wirklichkeit abstrahiert: der/die ZeichnerIn teilt die Welt auf dem Papier durch wenige Linien, Striche und farbige Elemente in eine fiktive und sichtbare Welt einer Komposition – aber immer auch in die nicht gezeichneten weiß gebliebenen Zwischenräume. Eine Zeichnung entsteht in unserem Bewußtsein so durch die wenigen konstruierten Linien, die eine bestimmte Ordnung bilden und die vielen möglichen Beziehungen, die die/der BetrachterIn als eine eigene Welt hinzudenken kann. Bei fast allen KünstlerInnen der Drawing Collection, einer internationalen Künstlervereinigung, die im wesentlichen digital miteinander kommuniziert, ist diese konkrete Bestimmung des Zeichnens zutreffend.-Der Titel der Ausstellung ist eine Anspielung eines sehr bekannten Dictums der Moderne: der französische Dichter Arthur Rimbaud prägte im 19. Jahrhundert die Formel Il faut être absolument moderne (1873) – eine Aufforderung an sich selbst, den Geist der jeweiligen Gegenwart so modern, geistesgegenwärtig und zeitgenössisch wie möglich zu formulieren. Gleichzeitig kann man in dieser Ausstellung auch Zeichnungen von KünstlerInnen entdecken, die weniger konstruktiv als vielmehr explorativ arbeiten, die also Bewegungsspuren des Zeichens, das Produzieren einer Zeichnung in ihrer Prozessualität oder die Grenzen des Mediums Zeichnung erkunden.

 

Zeichnen heißt teilen (in Sichtbares/Unsichtbares) aber immer auch sich selbst mitteilen. Im Versuch, das, was ich in einer Zeichnung sehe, wie eine Welt im Kleinen zu begreifen, bin ich auf Sprache angewiesen. Ich kann, ausgehend vom konkret Gesehenen, etwas Neues assoziieren, das über die reine Zeichnung hinausreicht. In den mikrokoskopischen Kritzelzeichnungen von Michael Perlberg und Anton Brüll verlieren wir beispielsweise leicht die Orientierung während viele der aus farbigen Linen und Flächen bestehenden Arbeiten der Drawing Collection wie Diagramme und visuelle Anordnungen aussehen, die uns auf abstrakt-konkrete Weise etwas davon erzählen, wie wir uns mit unseren eigenen Augen auf einer Bildfläche bewegen. Was ich zeichne und zeichnend imaginiere, wird als Zeichnung konkret – und vergrößert die Spielräume im Umgang mit unserer gemeinsamen Welt.

 

Michael Kröger

 

 

Be absolutley concrete. Drawing worlds

 

Drawing contains, among other things, a general activity that abstracts from reality: the draftsman divides the world on the paper into a fictitious and visible world of a composition by means of a few lines, strokes and coloured elements - but always also into the undrawn white spaces in between. A drawing is thus created in our consciousness through the few constructed lines that form a certain order and the many possible relationships that the viewer can think of as his own world. The title of the exhibition is an allusion to a very well-known dictum of modernism: in the 19th century, the French poet Arthur Rimbaud coined the formula Il faut être absolument moderne (1873) - a call to himself to formulate the spirit of the respective present as modernly, spiritually and contemporarily as possible. At the same time, one can also discover in this exhibition drawings by artists who work less constructively than exploratively, i.e. who explore the traces of movement of the sign, the production of a drawing in its processuality, or the limits of the medium of drawing.

 

Drawing means dividing (into the visible/invisible) but always also communicating oneself. In an attempt to understand what I see in a drawing as a world on a small scale, I am dependent on language. Starting from what I see concretely, I can associate something new that goes beyond pure drawing. In the microscopic doodle drawings by Michael Perlberg and Anton Brüll, for example, we easily lose our orientation, while many of the works in the Drawing Collection, consisting of colored lines and surfaces, look like diagrams and visual arrangements that tell us something abstractly and concretely about how we move with our own eyes on an image surface. What I draw and imagine by drawing becomes concrete as a drawing - and enlarges the scope in dealing with our common world.

Michael Kroeger

 

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