22.6. - 3.8.2019

Die Ausstellung „Be Absolutely Concrete“ präsentiert Werke des internationalen Künstlerkollektivs The Drawing Collective, ergänzt durch ausgewählte Arbeiten aus dem Open Call von hase29.

 

24 + 7 internationale Künstlerinnen und Künstler beziehen sich in ihrer Arbeit auf die Formensprache des Konstruktivismus und der konkreten Kunst. Neue Ausdrucksformen im Spiegel der Gegenwart eröffnen ein breites Spektrum, von reduzierten Bleistiftzeichnungen über Tusche und Kohle, Radiernadel, Kugelschreiber, komplex-räumlichen Liniengebilden bis hin zu farbintensiven Bildfindungen. Die Ausstellung offenbart Bezugnahmen auf das reduzierte Bauhaus Formenvokabular, ebenso wie auf den in Osnabrück geborenen Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart mit seinen geometrisch-abstrakten Kompositionen.

 

 Mit freundlicher Unterstützung der Stadt Osnabrück und des

 Landschaftsverbandes Osnabrücker Land

 

Das Vermittlungsprogramm wird gefördert durch die
Felicitas und Werner Egerland Stiftung

 

The exhibition "Be Absolutely Concrete" presents works by the international artists' collective The Drawing Collective, supplemented by selected works from hase29's Open Call.

 

24 + 7 international artists refer in their work to the formal language of Constructivism and Concrete Art. New forms of expression in the mirror of the present open up a broad spectrum, ranging from reduced pencil drawings, ink and charcoal, etching needles, ballpoint pens, complex spatial line structures to color-intensive pictorial inventions. The exhibition reveals references to the Bauhaus formal vocabulary, as well as to the Osnabrück-born artist Friedrich Vordemberge-Gildewart with his geometric-abstract compositions.


With the kind support of the City of Osnabrück and the Landschaftsverbandes Osnabrücker Land


The education program is supported by the Felicitas and Werner Egerland Foundation


Be absolutley concrete. Welten zeichnen

 

 Zeichnen beinhaltet unter anderem eine allgemeine Aktivität, die von Wirklichkeit abstrahiert: der/die ZeichnerIn teilt die Welt auf dem Papier durch wenige Linien, Striche und farbige Elemente in eine fiktive und sichtbare Welt einer Komposition – aber immer auch in die nicht gezeichneten weiß gebliebenen Zwischenräume. Eine Zeichnung entsteht in unserem Bewußtsein so durch die wenigen konstruierten Linien, die eine bestimmte Ordnung bilden und die vielen möglichen Beziehungen, die die/der BetrachterIn als eine eigene Welt hinzudenken kann. Bei fast allen KünstlerInnen der Drawing Collection, einer internationalen Künstlervereinigung, die im wesentlichen digital miteinander kommuniziert, ist diese konkrete Bestimmung des Zeichnens zutreffend.-Der Titel der Ausstellung ist eine Anspielung eines sehr bekannten Dictums der Moderne: der französische Dichter Arthur Rimbaud prägte im 19. Jahrhundert die Formel Il faut être absolument moderne (1873) – eine Aufforderung an sich selbst, den Geist der jeweiligen Gegenwart so modern, geistesgegenwärtig und zeitgenössisch wie möglich zu formulieren. Gleichzeitig kann man in dieser Ausstellung auch Zeichnungen von KünstlerInnen entdecken, die weniger konstruktiv als vielmehr explorativ arbeiten, die also Bewegungsspuren des Zeichens, das Produzieren einer Zeichnung in ihrer Prozessualität oder die Grenzen des Mediums Zeichnung erkunden.

 

Zeichnen heißt teilen (in Sichtbares/Unsichtbares) aber immer auch sich selbst mitteilen. Im Versuch, das, was ich in einer Zeichnung sehe, wie eine Welt im Kleinen zu begreifen, bin ich auf Sprache angewiesen. Ich kann, ausgehend vom konkret Gesehenen, etwas Neues assoziieren, das über die reine Zeichnung hinausreicht. In den mikrokoskopischen Kritzelzeichnungen von Michael Perlberg und Anton Brüll verlieren wir beispielsweise leicht die Orientierung während viele der aus farbigen Linen und Flächen bestehenden Arbeiten der Drawing Collection wie Diagramme und visuelle Anordnungen aussehen, die uns auf abstrakt-konkrete Weise etwas davon erzählen, wie wir uns mit unseren eigenen Augen auf einer Bildfläche bewegen. Was ich zeichne und zeichnend imaginiere, wird als Zeichnung konkret – und vergrößert die Spielräume im Umgang mit unserer gemeinsamen Welt.

 

Michael Kröger

 

 

Be absolutley concrete. Drawing worlds

 

Drawing contains, among other things, a general activity that abstracts from reality: the draftsman divides the world on the paper into a fictitious and visible world of a composition by means of a few lines, strokes and coloured elements - but always also into the undrawn white spaces in between. A drawing is thus created in our consciousness through the few constructed lines that form a certain order and the many possible relationships that the viewer can think of as his own world. The title of the exhibition is an allusion to a very well-known dictum of modernism: in the 19th century, the French poet Arthur Rimbaud coined the formula Il faut être absolument moderne (1873) - a call to himself to formulate the spirit of the respective present as modernly, spiritually and contemporarily as possible. At the same time, one can also discover in this exhibition drawings by artists who work less constructively than exploratively, i.e. who explore the traces of movement of the sign, the production of a drawing in its processuality, or the limits of the medium of drawing.

 

Drawing means dividing (into the visible/invisible) but always also communicating oneself. In an attempt to understand what I see in a drawing as a world on a small scale, I am dependent on language. Starting from what I see concretely, I can associate something new that goes beyond pure drawing. In the microscopic doodle drawings by Michael Perlberg and Anton Brüll, for example, we easily lose our orientation, while many of the works in the Drawing Collection, consisting of colored lines and surfaces, look like diagrams and visual arrangements that tell us something abstractly and concretely about how we move with our own eyes on an image surface. What I draw and imagine by drawing becomes concrete as a drawing - and enlarges the scope in dealing with our common world.

Michael Kroeger

 

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